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Wallbox Förderung vom Staat: Big Deal oder Mogelpackung?

16.163 das ist die Zahl der Ladesäulen, die in der offiziellen Liste der Bundesnetzagentur vom 7. Oktober 2020 zu finden sind. Und auch wenn die Zahl der Ladepunkte mit 20.800 etwas höher liegt, da manche Ladesäulen auf zwei Fahrzeuge ausgelegt sind, es herrscht dennoch Platzmangel an Deutschlands Elektrotankstellen.

Wer also nicht an einer öffentlich zugänglichen Ladestation mit seinem Auto Schlange stehen, sondern sein Fahrzeug bequem in der heimischen Garage laden will, der kann sich eine Wallbox kaufen. Und ab dem 24.11.2020 fördert der Staat über die KfW-Bank dieses Vorhaben sogar mit 900 €. Dazu müssen Sie aber einige Bedingungen erfüllen. Welche das sind und ob sich die Wallbox Förderung für Sie lohnt, erklären wir in diesem Ratgeber.

Was wird bei einer Wallbox gefördert?

Ab dem 24.11.2020 können Sie bei der KfW-Bank im Förderprogramm 440 einen Zuschuss von maximal 900 € pro Ladepunkt beantragen. Dabei gelten folgende Bedingungen für die Förderung der Wallbox:

  • Die Wallbox muss neu angeschafft werden, eine nachträgliche Förderung bestehender Systeme ist nicht möglich.
  • Die Ladestation muss eine Ladeleistung von 11 kW haben. Systeme mit mehr Leistung sind von der Wallbox Förderung ausgeschlossen.
  • Die Wallbox muss mit Strom aus nachweislich erneuerbaren Energiequellen betrieben werden.
  • Die Ladebox darf nicht auf öffentlich zugänglichem Raum installiert werden. Es handelt sich daher um eine Wallbox Förderung rein für private Zwecke.
  • Die Wallbox muss Smart-Grid fähig sein.
  • Die Wallbox Kosten inklusive Montage und Installation müssen mindestens 900 € betragen.

Insgesamt stellt der Bund 200 Million Euro zur Wallbox Förderung über die KfW zur Verfügung. Das reicht umgerechnet für 220.000 private Wallboxen. Neben dem Ausbau der Ladeinfrastruktur erhoffen sich Experten auch einen Modernisierungsschub im öffentlichen Stromnetz. Dieses muss die vielen Wallboxen nämlich leistungsmäßig auch aufnehmen können. Ein Ausbau der Infrastruktur ist damit vorhersehbar.

Was bedeutet das im Detail für Sie?

Zunächst einmal fällt rasch auf, dass durch die Beschränkung auf 11 kW moderne Schnellladesysteme mit 22 kW aus der Wallbox Förderung fallen. Alle, die ihr Fahrzeug also möglichst flott laden wollen und daher mit der leistungsstärkeren Variante liebäugeln, kucken beim KfW-Zuschuss in die Röhre. Diese Einschränkung in der Verbraucherfreiheit wird auch von Experten kritisiert.

Auf der anderen Seite ist wohl in den allermeisten Fällen die 11 kW Ladebox völlig ausreichend. Zahlreiche Fahrzeuge verfügen sowieso nur über einen 7,4 kW Anschluss, für diese käme die hohe Ladeleistung gar nicht infrage. Außerdem ist 11 kW bei Wallboxen auch die Grenze zur

Genehmigungspflicht durch den Netzbetreiber. Er könnte die 22 kW Box ablehnen, wenn das Ortsnetz dadurch überlastet wird. Die 11 kW Box müssen Sie dagegen einfach nur anmelden.

Ein weiterer Punkt, über den Sie sich klar werden sollten, ist die Smart-Grid-Fähigkeit. Nicht alle elektrischen Hausnetze bieten derzeit die nötigen Voraussetzungen, um eine Kommunikation mit dem Netzbetreiber zu ermöglichen. Es fehlt schlichtweg die Rückleitung für den Datentransfer. Zudem sind in Gebäuden die 30-Jahre oder älter sind, die Leitungen nicht auf so eine hohe Stromlast über einen längeren Zeitraum hinweg ausgelegt. Ein Auto zieht aber über Stunden viel Strom. Wer eine Wallbox installieren und die Förderung einstreichen will, muss also unter Umständen auch Hand an die Hauselektrik legen, was mit erheblichen Zusatzkosten verbunden ist. Diesen Punkt müssen Sie mit einbeziehen, wenn Sie sich die Frage stellen: „Was kostet mich eine Wallbox mit Installation?“

Für alle mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach, ist die Stromzufuhr aus erneuerbaren Quellen einfach zu bewerkstelligen. Wer den Strom vom Netzbetreiber bezieht, muss für die Wallbox Förderung eventuell seinen Tarif umstellen. Wer noch aufgrund einer Kündigungsfrist an seinen derzeitigen Tarif gebunden ist, darf die geförderte Wallbox schon in Betrieb nehmen, muss aber zum nächstmöglichen Zeitpunkt kündigen. Ungeklärt ist derzeit noch, ob auch „Ökostrom-Schummeltarife“ von Betreibern, die abgeschriebene Wasserwerke nutzen und nicht öko-zertifizierten Strom unter dem teuren Label vermarkten, als förderfähig gelten.

Liste der förderfähigen Wallboxen bei der KfW einsehbar

Knapp zwei Wochen vor Beginn des Förderprogramms hat die KfW-Bank nun auch eine Liste mit Wallboxen veröffentlicht, die in die Förderung eingeschlossen sind. Diese Liste ist jedoch noch nicht vollständig. Daher gibt es eine Hotline der KfW-Bank, um weitere Modelle abzufragen. Unter 0800 539 9005 können Sie sich Montag bis Freitag von 8:00 bis 18:00 Uhr kostenfrei beraten lassen, ob Ihre ausgewählte Wallbox eine Förderung von der KfW erhält.

Wichtig: Einige Produkte erfüllen nicht die Anforderung der Ladeleistung bis maximal 11 kW. Um hier eine Wallbox Förderung zu erhalten, müssen Sie die Ladestation drosseln. Sie benötigen zum Nachweis für den Erhalt der KfW-Wallbox-Förderung eine Bestätigung des ausführenden Elektrobetriebs.

Wallbox Förderung noch in 2020? Interessenten müssen sich gedulden

Die neue Förderung tritt erst Ende November in Kraft aber schon jetzt ist klar, dass Wallbox-Käufer einen langen Atem mitbringen müssen. Sie dürfen nämlich erst bestellen, nachdem der Antrag bei der KfW-Bank gestellt und genehmigt worden ist. Und dann folgt die Wartezeit bei den Herstellern, denn die Vorbestellungen für Heimladestationen reichen jetzt schon bis in den März hinein. Bei der Suche nach einem Betrieb, der Ihnen die Wallbox installiert, sollten Sie jeweiligen Lieferzeiten als Entscheidungskriterium einbinden.

Exkurs: Grundlegendes zu Wallboxen

Sie spielen mit dem Gedanken sich eine Wallbox mit Förderung zuzulegen, sind sich aber nicht sicher worauf sie dabei achten müssen? Wichtig für die Entscheidung sind folgende Überlegungen:

  • Welchen Stecker und welchen Ladestrom braucht ihr Auto?
  • Ist die Wallbox für weitere Personen zugänglich (Tiefgarage im Mehrfamilienhaus, Carport auf dem Grundstück) oder nicht und muss sie dementsprechend verriegelbar sein?
    • Wollen Sie eine Wallbox mit fest verbautem Kabel oder nicht? Ein fest verbautes Kabel bietet einiges an Bedienkomfort.
    • Welche Fahrzeuge sollen geladen werden? Sollen neben dem Auto zum Beispiel auch E-Roller oder E-Bike geladen werden benötigt man dafür die entsprechenden Anschlüsse.
    • Wie wird die Wallbox angeschlossen? Welche Stromleitung ist am Installationsort vorhanden? Gibt es bereits einen Schutzkontakt im Hausnetz?

    Alte Hasen im E-Mobil Bereich kennen sich mit den unterschiedlichen Ladetechniken aus. Alle Neulinge müssen sich erst einmal in die Materie einarbeiten, denn am Markt existieren unterschiedliche Lösungen:

    • Der TYP-1 Stecker liefert Ladeströme von 3,7 kW – 7,4 kW und arbeitet mit 230 V Wechselstrom. Der TYP-1 Stecker ist eher im asiatischen Raum gebräuchlich, weshalb sich in Europa kaum Ladestationen finden. Ein Ladevorgang dauert etwa 5 Stunden.
    • Der TYP-2 Stecker benötigt einen 400 V Starkstromanschluss. Er arbeitet ebenfalls mit Wechselstrom. Hier sind Stromstärken von 11 kW bis 44 kW möglich. Ein Ladevorgang dauert zwischen 3 Stunden und unter einer Stunde.
    • Die CHAdeMOsteckdose ist das japanische Schnellladesystem. CHAdeMO arbeitet mit Gleichstrom und kann Ladeströme bis zu 200 kW liefern. Meistens kann man jedoch nur 50 kW an den Ladestationen beziehen. Mit CHAdeMO sind theoretisch Ladezeiten von 10 Minuten möglich, dazu muss aber die volle Stromstärke genutzt werden.
    • Der CCS-Stecker kombiniert des TYP-2 Stecker mit zwei zusätzlichen Schnellladekontakten. Mit diesem Stecker kann man Gleichstrom oder Wechselstrom laden. Theoretisch sind Ladeströme bis zu 350 kW möglich und damit eine Ladezeit von unter 5 Minuten. In der Praxis findet man auch hier Ladesäulen mit 50 kW und entsprechend längere Ladezeiten.